DÜFELSGILDE

 

ZUR GESCHICHTE DER DÜFELSGILDE

Fasnacht gibt es in Jestetten schon lange – nicht erst seit es den Narrenverein gibt. Auch die Düfelsgilde, die auf ihr über 50-jähriges Bestehen zurückblicken kann, entstand schon vor der Gründung des Narrenvereins.

Die Initiatoren der Düfelsgilde, Erwin Fritz, Karl Schlude und Kurt Kettner, griffen 1962 eine Tradition auf, die es in Jestetten schon seit Jahrzehnten gab (in der Gründungsurkunde ist sogar von „vor de Johrhundertwendi“ die Rede). Alte Jestetter meinten damals zu den Initiatoren: „Fasnit frühner, hä mer hät halt ä Düfelschappe gha und Lundsche häts au scho gäh“. Neuere Nachforschungen ergaben, dass als „Erfinder“ der „Düfelschappe“ Mitte der 20-er Jahre wohl August Kaier aus der Weihergasse zu gelten hat. Er erhielt im übrigen später den Beinamen „Düfele-Kaier“. Die „Düfelschappe“ selbst war – was in der damaligen Zeit wichtig war – relativ einfach anzufertigen: Gesichtskonturen wie z.B. die Nase wurden mit roten Kreuzstichen gestaltet, Kennzeichen waren weiter die rote Zunge, die heraushing und die beiden hängenden Hörner.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war diese „Düfelschappe“ stets lange Zeit vor der eigentlichen Fasnacht wichtiges Utensil der Jestetter Dorfjugend und eigentlich war es logisch, dass E. Fritz, K. Schlude und K. Kettner im Gasthaus Adler (heute Sparkasse / Klosterapotheke) diese Tradition aufgegriffen haben und sie ausbauen wollten. Vorher holte man sich noch den Segen des Elferrates mit Leo Straub an der Spitze, der damals in Sachen Fasnacht das Sagen hatte. Ziel der Initiatoren war es, eine Fasnachtsgruppe zu gründen die mit einer „Düfelschappe“, vor allem aber einem „Häs“ ausgestattet ist. Erwin Fritz erhielt vom Elferrat den Auftrag, einen kompletten Düfel nach seinen Vorstellungen als Muster anzufertigen. Dies geschah denn auch mit tatkräftiger Hilfe der  Ehefrau Hanni Fritz und der gelernten Schneiderin Helene Kettner. Die beiden waren es auch, die später zusammen mit Magdalena Schlude die Düfelsgwändli „in Serie“ anfertigten.

Beim Mehlsuppenessen 1963 – genauer am 25.2.1963 – wurde von den drei Initiatoren dann der Düfel vorgestellt – mit Erfolg, denn es dauerte nicht lange bis die neu gebildete Gruppe Zulauf erhielt. Das führte dann auch dazu, dass man sich eine Art Satzung gab. In ihr wurde u.a. festgehalten, aus welchen Teilen das „Narrengwändle“ zu bestehen hat: „Düfelschappe, dem rot-gelben Flammenkragen, der schwarzen Montur, einer Kette um den Bauch mit zehn Schellen daran und schwarzen Schuhen“. Festgelegt wurde, dass in der Gilde nur Männer aufgenommen werden und dass aus der Gilde ein Oberdüfel zu wählen ist, der als Zeichen seiner Würde eine rote, zweizinkige Gabel trägt, dass die Düfelsgilde nur geschlossen und mit Genehmigung des Elferrates auftritt, dass die Narrengwändli sichtbar nummeriert werden und sie sich generell sich der Aufgabe stellen, alte Jestetter Fasnacht zu hegen und zu pflegen. Diese Statuten wurden 1966 bestätigt und durch den Punkt ergänzt, „unser Bestreben ist, das Narrenvolk nicht durch rüpelhaftes Benehmen zu verärgern, sondern durch unsere Streiche zu erfreuen“. Hervorgehoben wurde auch die Stellung des Oberdüfels, dessen Entscheidungen bei öffentlichen Auftritten der Gilde unbedingt Folge zu leisten ist. Hier ist wohl ebenso die Handschrift  des alten Feuerwehrmannes Erwin Fritz zu erkennen wie auch bei dem „Gesetz“ bei den Auftritten der Düfelsgilde:  „Einer für alle, alle für einen“. Ungeschriebenes Gesetz war auch, dass die Düfel nur gemeinsam auftreten durften. Sämtliche „Häser“ waren im Gasthaus Hirschen in einem Schrank eingeschlossen. Den Schlüssel hatte der Oberdüfel und somit traf man sich vor einem Auftritt eine halbe Stunde vorher im Hirschen.

In den Jahren 67/68 steckte die Narretei bzw. der Elferrat in einer Krise. Schon im Februar 1968 beschloss die Düfelsgilde, dass man trotz des Zerwürfnisses mit dem Elferrat bestehen bleiben will. “Die Gewänder werden dem Elferrat abgekauft, wenn sie uns nicht geschenkt werden, so dass  wir vom Elferrat unabhängig sind“. Am 10.12.1968 – inzwischen hatte sich der Narrenverein mit Ernst (Goli) Holzscheiter als erstem Obernarr gegründet – wurde von der Düfelsgilde einstimmig die Mitgliedschaft im Narrenverein akzeptiert, wenn auch mit Zähneknirschen, denn anfangs stand man innerhalb der Düfelsgilde dem Narrenverein sehr kritisch gegenüber. Erst im Laufe der Jahre wandelte sich die Skepsis in uneingeschränkte und engagierte Mitarbeit. Heute gilt die Düfelsgilde als der „harte Kern“ des Narrenvereins.

Mit dem Narrenverein kam ab 1968 neuer Schwung in die Fasnacht und die Düfelsgilde sprang nicht nur auf diesen Zug auf sondern gestaltete aktiv die Fasnacht mit. So wurde die Person der „Düfelsgroßmueter“ geschaffen, am 2.  Faisten (8 Tage vor dem Schmutzige Dunschdig) der Düfelsball ins Leben gerufen, die Düfelsgabel als Symbol der Jestetter Fasnacht (an Stelle eines Narrenbaumes) wurde stets am Schmutzige Dunschdig aufgestellt (früher auf dem Schulhof, heute vor dem Rathaus). Von Anfang an fuhr die Düfelsgilde mit dem Narrenverein an die Narrentreffen, wo man sich im Laufe der Jahre mit dem Düfelsbock „Emil“ einen Namen machte und stets gerne gesehener Gast ist. Darüber hinaus beteiligten sich die Düfel an allen anderen Aktivitäten des Vereins, sei es bei der Durchführung des „Hembglunggi – Umzuges“, der Durchführung des Narrenmarktes mit der „Düfelschuchi“, dem früheren Rebwieberball, dem Mehlsuppenessen bis hin zur Organisation und Durchführung des Seniorennachmittages am Chilbisonntag. Da die Düfelsgilde schon immer eine verschworene Gemeinschaft war und auch heute noch ist, ist nicht zuletzt auf die Aktivitäten außerhalb der Fasnacht zurückzuführen, angefangen bei dem monatlich durchgeführten Stammtisch (seit 1970) über Ausflüge bis hin zu sportlichen oder sonstigen geselligen Anlässen. Seit 1975 gibt es die neuen Düfelsg’wändle, ein Jahr später wurden die „Minidüfel“ geschaffen, so dass auch die Kinder eine Möglichkeit hatten, in die Düfelsgruppe hinein zu wachsen. Die Düfelsgruppe zählt Heute 35 Mitglieder, die beiden „ältesten“ sind Egon Huber und Bruno Aufdermaur (seit 1966).

Da der Oberdüfel innerhalb der Düfelsgilde stets eine wichtige Funktion ausübte und auch heute noch hat, seien sie hier namentlich erwähnt: Bis zur konstituierenden Versammlung versah Eugen Fischer das Amt des Oberdüfels. Die offiziellen Oberdüfel danach: Sigi Schwarz (1964-1965), Georg Meier (1966), Albert Strobel (1967-1973), Bruno Aufdermaur (1973-1974), Sigi Schätzle (1974-1978), Armin Holzscheiter (1978-1980), Bruno Steger (1980-1988), Thomas Abend (1988-1998), Thomas Wipf (1998-2006), Andreas Prescher (2006-2012), Boris Hoffmann (2012 bis heute)

Eine wichtige repräsentative Rolle spielt auch „im Düfel sini Großmueter“. Die genauen „Amtszeiten“ sind hier nicht ganz klar, weil dies innerhalb der Düfelsgilde zwar eine närrische Figur war, die aber eigentlich nur jeweils am Düfelsball in Aktion zu sehen war. So weit mündliche Recherchen und Unterlagen zutreffen waren Düfels Großmueter:  Winfried Rieger (1972-1977), Fred Brückel (1978/79), Roland Rechsteiner (1980-1982), Karl Hail (1983-1985), Richard Zeller (1986-1987), Winfried Rieger (1988-1994), Markus Kettner (1995-heute).

(Verfasser: Rainer Denzel, Ehrenobernarr)

Published on  April 2nd, 2017