SUPPE-CHASPER

ZUR GESCHICHTE DES MEHLSUPPEÄSSENS

Bereits seit mehr als 60 Jahren zählt das Mehlsuppeässe zu einem der Höhepunkte der Jestetter Fasnacht.
Was im Jahr 1955 als außerordentliche Sitzung des Elferrats - dem Vorgänger des heutigen Narrenvereins - im kleinen Rahmen begann, ist heute eine traditionelle Veranstaltung, welche die Gemeindehalle füllt.

Aufgrund verschiedener Vorkommnisse sah es der Elferrat damals als erforderlich an, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen. Als Ort wurde hierfür das damalige Gasthaus
,,Zum Salmen´´ gewählt.
Die Jestetter Narren erfuhren jedoch umgehend von dieser Sitzung und wollten diese natürlich nicht verpassen. So wurde eine Wette abgeschlossen, dass auch jeder Narr pünktlich war.
Jeder der Beteiligten musste mit einem Instrument bestückt sein und was aber noch weitaus schwieriger war, bis zum ersten Schlag der Kirchturmuhr durfte er von keinem anderen der Beteiligten auf der Straße gesehen werden. Mit dem zehnten und letzten Schlag der Uhr mussten sich bereits aber alle im Salmen eingefunden haben.
So kam es, dass jeder Hauseingang und jeder Schopf rund um den Salmen von Narren belagert war, welche nur auf den ersten Kirchturmschlag warteten.
An jenem Morgen der Letzte war ausgerechnet der spätere Mehlsuppechasper Karl Büchel.   
Dem laut Zeitzeugen in Socken und Wolljacke unterm Arm erschienen ,,Wettverlierer´´ wurde neben dem Spott somit auch gleich die Zeche für einen Kasten Bier aufgebrummt.
So nahm die Sitzung mit dem Narrenmarsch und einem ,,Hoorig´´ ihren Lauf.

Die bereits jahrelang bestehende Musikkapelle, welche mehrfach immer wieder unter verschiedenen Namen getauft wurde, erhielt den Namen ,,Sprützchantemusigg´´ und begleitet das Mehlsuppeässe auch heute noch musikalisch unter diesem Namen.

Zur Stärkung zu Beginn der Sitzung wurde beim Salmenwirt eine Mehlsuppe gewünscht. Dies gelang ihm jedoch nicht und er tischte stattdessen eine Gulaschsuppe auf. Das konnten die Narren aber nicht einfach so auf sich beruhen lassen und der Wirt musste eidesstattlich erklären, dass er bis zur nächsten Fasnacht die Kunst des Mehlsuppenkochens erlernt.
So wurde aus einer einfachen Elferratssitzung, einer Wette und einer eidesstattlichen Erklärung das Jestetter Mehlsuppeässe geboren.

In den darauffolgenden Jahren kamen immer mehr Narren zum Mehlsuppeässe und es entstand ein humorvolles Programm, welches bis heute viele Künstler hervorbrachte.
So wurde der Salmen bald zu klein und die Veranstaltung wurde in den Saal des Restaurants
,,Zum Bahnhof´´ verlegt. Da auch dieser Saal bald zu klein wurde, erfolgte 1969 die Verlegung in die Gemeindehalle.

Der Mehlsuppechasper, wie wir ihn heute kennen, wurde 1974 von Karl Büchel ins Leben gerufen, der in diesem Jahr die Leitung von Otto Heiz übernahm und noch bis 1979 innehatte.
Weitere Mehlsuppechasper waren Heinz Engelberger (1980) und Berthold Danner
(1981 – 1988). Von 1989 bis 1994 moderierte dann ein Trio bestehend aus Markus Steger, Bruno Danner, Winfried Rieger und später Norbert Langner das Mehlsuppeässe.
Daraufhin folgten Mathias Lüber, Sven Trapp und Holger Jörns, ehe 1997 Henry Brückel wieder in die Rolle des Suppechaspers schlüpfte und die Figur bis heute mit Leib und Seele verkörpert.

Das mittlerweile vierstündige und doch sehr kurzweilige Programm bietet Büttenreden, in denen das Geschehen im Dorf und dem Rest der Welt auf humorvolle Art und Weise behandelt und kommentiert wird. Tanz und Gesang dürfen natürlich ebenso wenig fehlen, wie die Sprützchantemusigg. Je nach Ereignis tagt auch das Hochgrobgünstige Narrengericht und Suppenchasper Henry ist für einen Klamauk oder eine spitzfindige Pointe immer zu haben.

Nicht zu vergessen natürlich die schmackhafte Mehlsuppe des Turnvereins Jestetten. Nach mittlerweile über 60 Jahren hat diese Tradition auch heute noch Bestand.

(Verfasser: Gabriel Abend)

 

Henry Brückel bei der Ehrung 2016 für 20 Jahre Suppechasper

  

 

 

 

 

 

 

 











 

Published on  April 2nd, 2017